Blog · 2. September 2026 · aktualisiert 16. Oktober 2026

wp2shell: Ist Ihre WordPress-Seite betroffen? Versionen, Anzeichen und was jetzt zu tun ist

Im Juli 2026 ließ sich jede Standard-WordPress-Installation ohne Login übernehmen — ohne Plugin, ohne schwaches Passwort. Welche Versionen betroffen sind, woran Sie einen Befall erkennen und warum das Update allein nicht reicht.

Sicher gegen wp2shell sind WordPress 6.8.6, 6.9.5, 7.0.2 und alles Neuere; weitere Sicherheits-Releases folgten bis 7.1.3. Wer mindestens diese Version hat und keines der Befallszeichen unten findet, muss nichts tun. Ist die Version älter, erst aktualisieren, dann Benutzerliste, Plugins und Webspace prüfen.

▶ Videowp2shell: Dein WordPress-Update hat die Tür geschlossen. Aber wer war schon drin? Auf YouTube ansehen ↗

Das Video liegt auf unserem eigenen Server — kein YouTube-Skript, kein Cookie, nichts wird vor dem Abspielen geladen.

Bin ich betroffen? Fünf Fragen zum Abhaken

Kein Haken bei Frage 1, 3, 4 und 5 und eine Version ab 6.8.6, 6.9.5 oder 7.0.2: kein Handlungsbedarf, dann sind Sie durch. Haken bei Frage 1: jetzt aktualisieren, mit Backup davor, und danach die Fragen 3 bis 5 erneut prüfen. Haken bei Frage 3, 4 oder 5: nichts löschen, Zustand sichern und den Kasten „Selber machen oder abgeben?“ weiter unten lesen. Frage 2 allein ist kein Befund, sie sagt nur, dass sich die Prüfung lohnt.

Läuft Ihre Seite auf WordPress 6.8.0 bis 6.8.5, 6.9.0 bis 6.9.4 oder 7.0.0 bis 7.0.1, ist sie von wp2shell betroffen. Sicher gegen wp2shell sind 6.8.6, 6.9.5, 7.0.2 und alles Neuere; weitere Sicherheits-Releases folgten bis 7.1.3. Und selbst wenn das Update längst drin ist: Prüfen Sie die Benutzerliste, die Plugin-Liste und den Webspace. Laut Börse Express wurden die ersten Angriffe schon am 17. Juli 2026 registriert, die Angreifer haben nicht auf Ihr Update gewartet.

Selber machen oder abgeben? Version, Benutzerliste und Plugin-Liste prüfen Sie selbst im Dashboard, das kostet nichts. Finden Sie dabei ein fremdes Konto, ein unbekanntes Plugin oder Dateien in mu-plugins, hören Sie auf zu löschen und lassen prüfen: Der Malware-Notfall sichert den Zustand, bereinigt und härtet zum Festpreis von 349 €.

Was wp2shell ist

Am 17. Juli 2026 veröffentlichte das WordPress-Projekt außerplanmäßig die Versionen 7.0.2, 6.9.5 und 6.8.6. Sie schließen zwei Schwachstellen im WordPress-Kern, die einzeln unangenehm und zusammen verheerend sind: eine SQL-Injection in der Abfrage-Klasse WP_Query (CVE-2026-60137) und eine Verwechslung von Routen in der Batch-Schnittstelle der REST-API (CVE-2026-63030). Hintereinander geschaltet ergeben sie das, was Sicherheitsforscher „wp2shell“ tauften: Ein einziger präparierter HTTP-Aufruf gegen eine unveränderte Standardinstallation genügt, um eigenen Code auf dem Server auszuführen. Kein Plugin nötig, kein Theme, kein Login, kein Nutzerfehler.

Anders als bei den üblichen Plugin-Lücken war hier jede Seite betroffen, die online war. WordPress.org löste deshalb Zwangs-Updates aus, soweit technisch möglich; das BSI warnte am 18. Juli. Ab dem 20./21. Juli meldeten Sicherheitsfirmen und Hoster laufende Angriffe (Zeitleiste unten).

Bin ich betroffen? Drei Wege

  1. Im Backend: Dashboard → Aktualisierungen. Dort steht die installierte Version. Alles unter 6.8.6, 6.9.5 bzw. 7.0.2 ist offen.
  2. Von außen: Unser WordPress-Alters-Check liest die Version aus dem Quelltext Ihrer Seite und sagt Ihnen direkt, ob die Versionsnummer in der wp2shell-Liste steht — und welche Sicherheits-Releases seitdem noch fehlen. Der Entdecker Adam Kues bietet laut jweiland.net ebenfalls ein kostenloses Online-Prüfwerkzeug an.
  3. Beim Hoster: Viele Anbieter haben Ende Juli Rundmails verschickt oder das Update selbst eingespielt (belegt etwa für IONOS). Prüfen Sie das Postfach, das beim Hoster hinterlegt ist — oft ist es nicht das, in das Sie täglich schauen.

Ein gepflegter Zweig ist nicht automatisch sicher: Eine 6.9.4 ist trotz laufender 6.9-Updates offen. Entscheidend ist die dritte Stelle der Versionsnummer. Laut Börse Express (22.07.2026) lag die Patch-Rate unter 124.580 überwachten Seiten bei 81,6 Prozent (Belege unten).

Woran Sie einen Befall erkennen

Das Tückische an dieser Welle: Die Seiten liefen oft weiter wie immer. Die Angreifer wollten einen dauerhaften Zugang, nicht Aufmerksamkeit. Diese Zeichen sind in Quellen belegt (Wortlaut unten bei den Belegen):

  • Unbekannte Administrator-Konten. Benutzer → Alle Benutzer, nach Rolle „Administrator“ filtern. Belegt sind Logins mit wp2_ oder w2s_ (BSI, Eye Security) und ein Konto mit einer Adresse auf @wordpress-svc.internal, das sich am 19.7. zuletzt eingeloggt hatte (Born-Blog, Leserkommentar).
  • Plugins, die Sie nicht installiert haben. Im Fall bei Born waren es „Database Repair Assistant“ und ein Plugin namens wp2s-…. Manche liegen als „Must-Use-Plugin“ unter wp-content/mu-plugins/; dieser Ordner wird im Backend nicht angezeigt.
  • Fremde Dateien im Webspace. Laut Börse Express verstecken Angreifer Webshells in /wp-content/cache/, oft mit zufälligen Dateinamen. Kommentatoren bei Born berichten von .htaccess-Dateien in jedem Unterordner und einer index.php, die sich nach dem Löschen wieder mit Schadcode füllt.
  • Deaktivierte Sicherheits-Plugins. Wordfence, Solid Security oder ein Backup-Plugin sind plötzlich aus, ohne dass jemand es war.

Fehlt alles davon, ist das kein Beweis für eine saubere Seite. Aber es ist eine gute Nachricht.

Warum das Update allein nicht reicht

Das Update schließt die Tür. Es holt aber niemanden zurück, der schon im Haus ist. Ein angelegtes Admin-Konto funktioniert nach dem Update weiter, eine Hintertür in mu-plugins auch. Börse Express schreibt dazu: „Sicherheitsexperten raten Administratoren dringend, auch nach dem Einspielen der Updates nach Anzeichen für Kompromittierungen zu suchen.“ Bei einem Fund gilt: nicht einfach löschen. Erst den Zustand sichern, dann alle Passwörter und Salts wechseln, dann bereinigen, dann das Einfallstor bewerten. Wer nur das Konto löscht, lässt in der Regel die Datei stehen, die es wieder anlegt.

Schritt für Schritt: Was Sie jetzt tun

  1. Version prüfen (Dashboard → Aktualisierungen) und, falls nötig, aktualisieren — mit Backup davor.
  2. Benutzer prüfen: Rolle „Administrator“ filtern, jedes unbekannte Konto notieren (nicht löschen).
  3. Plugins prüfen: Plugin-Liste durchsehen. Für mu-plugins und cache brauchen Sie Dateizugriff über den Hoster (FTP oder Dateimanager).
  4. Passwörter wechseln, die in WordPress hinterlegt sind (Zugänge zu Mail, Shop, Schnittstellen). IONOS betont in seiner Warnmail: Geänderte Zugangsdaten nicht in ein möglicherweise befallenes WordPress eintragen.
  5. Automatische Updates für Sicherheits-Releases prüfen: Sie sind standardmäßig an; sehen Sie nach, ob ein Plugin oder die wp-config.php sie abgeschaltet hat.
  6. Nachziehen: Die neueste Version ist derzeit 7.1.3 vom 6.10.2026. Der August brachte zwei weitere Sicherheits-Releases; 7.0.4 schließt unter anderem eine Codeausführung für angemeldete Autoren (CVE-2026-65640), Details im Beitrag zu WordPress 7.0.4.

Allgemeine Symptome einer gehackten Seite beschreibt WordPress gehackt erkennen. Bei einem Fund gilt: nicht selbst löschen, sondern den Malware-Notfall beauftragen (349 € Festpreis: Prüfung von Dateien, Datenbank und Benutzerliste, Bereinigung, Härtung, Bericht).

Zeitleiste: Was wann belegt ist

Nur Daten, die in Primärquellen nachgelesen wurden (Abruf 08.10.2026). Kurz: 17.07. Update 7.0.2, 18.07. BSI-Warnung, 20./21.07. Angriffe und CISA-Eintrag, 06.08. und 12.08. die Versionen 7.0.3 und 7.0.4.

Zeitleiste mit Quellen aufklappen
DatumEreignisQuelle
17.07.2026WordPress 7.0.2 erscheint, dazu die Backports 6.9.5 und 6.8.6. Für betroffene Seiten wurden Zwangs-Updates über die automatische Aktualisierung aktiviert.wordpress.org/news
18.07.2026BSI-Warnung in Version 1.0; Version 1.1 folgt am 20.07. Im Dokument steht die Kennung „2026-271984-1132“; der Versionsverlauf nennt 1.0 am 18.07.2026 und 1.1 am 20.07.2026 (Abruf 18.10.2026).BSI-Warnung (PDF)
20.07.2026Wiz meldet beobachtete Ausnutzung; laut BSI waren Beispielangriffe schon am Wochenende davor im Umlauf.Wiz-Blog; BSI-Warnung v1.1
21.07.2026Eintrag im CISA-Katalog ausgenutzter Schwachstellen.NVD CVE-2026-63030
06.08.2026WordPress 7.0.3wordpress.org/news
12.08.2026WordPress 7.0.4wordpress.org/news

Die beiden Lücken bei NVD: CVE-2026-60137 (Parameter author__not_in in WP_Query) und CVE-2026-63030 (Routenverwechslung im REST-Batch-Endpunkt).

Belege

Belege: Wortlaut der Fremdangaben (abgerufen am 16.10.2026)

Wörtliche Auszüge, jeweils unverändert aus der genannten Quelle.

AussageWortlautQuelle
Erste Angriffe am Veröffentlichungstag„Die ersten Angriffe wurden am 17. Juli 2026 registriert.“Börse Express, 22.07.2026
Webshell-Ort„Die Hacker verstecken ihre Webshells im Verzeichnis /wp-content/cache/ – oft mit zufälligen Dateinamen und hinter falschen 404-Fehlerseiten.“Börse Express, a. a. O.
Patch-Rate„Unter 124.580 überwachten Websites lag die Patch-Rate bei 81,6 Prozent.“Börse Express, a. a. O.
Suche nach Kompromittierung„Sicherheitsexperten raten Administratoren dringend, auch nach dem Einspielen der Updates nach Anzeichen für Kompromittierungen zu suchen.“Börse Express, a. a. O.
Betroffene Versionen und Patches„6.8.0 through 6.8.5 – 6.8.6; 6.9.0 through 6.9.4 – 6.9.5; 7.0.0 through 7.0.1 – 7.0.2“ (Tabelle der Quelle)jweiland.net, 21.07.2026
Eigenes Prüfwerkzeug des Entdeckers„Adam Kues, who discovered the vulnerability, offers a free online tool that can be used to test your own site for this vulnerability.“jweiland.net, a. a. O.
Verdächtiges Konto und Plugins (Leserbericht)„In der Benutzerliste tauchte ein verdächtiges Administrator-Konto auf “wpsvc_59ef9db7ebe0@wordpress-svc.internal”, das sich zuletzt am 19.7. eingeloggt hat.“ — „“Database Repair Assistant” und “wp2s-606aa615”“Borns IT- und Windows-Blog, 26.07.2026, Kommentar eines Betroffenen
Wiederkehrende Dateien (Leserbericht)„in jedem Unterordner gibt es eine htaccess und die index.php im Hauptordner wird automatisch immer wieder überschrieben.“Born-Blog, a. a. O., Kommentar
Hoster-Warnmail„WICHTIG: Tragen Sie geänderte Passwörter oder Zugangsdaten keinesfalls in Ihr WordPress ein.“Born-Blog, a. a. O., zitierte IONOS-Mail
Warum die Mail breit gehalten war„Wir haben den Hinweis bewusst sehr breit gehalten“Born-Blog, a. a. O., Kommentar von IONOS

Die Leserberichte sind Einzelfälle aus Kommentaren, keine Messreihe. Primärquellen für Versionen, BSI-Warnung und Zeitleiste stehen in der Tabelle oben.

Häufige Fragen

Muss ich etwas tun, wenn meine Seite längst auf 7.0.2 oder neuer läuft?

Nur prüfen, nicht reparieren: Gibt es keine unbekannten Administratoren, keine fremden Plugins (auch nicht in mu-plugins) und keine fremden PHP-Dateien, besteht kein Handlungsbedarf. Das Update schließt die Lücke, holt aber niemanden zurück, der vorher schon drin war.

Ist WordPress 6.8 auch von der kompletten wp2shell-Kette betroffen?

Nein. Laut WordPress.org und BSI ist 6.8 nur von der ersten Lücke (CVE-2026-60137, SQL-Injection in WP_Query) betroffen, nicht von der Kette bis zur Codeausführung. Die SQL-Injection kann aber Passwort-Hashes aus der Benutzertabelle lesen, deshalb rät das BSI bei Verdacht zum Zurücksetzen aller Passwörter. Aktualisieren sollten Sie trotzdem.

Woran sehe ich ohne Servertechnik, ob jemand drin war?

Im Backend: Benutzer nach Rolle „Administrator“ filtern und nach Konten mit unbekanntem Namen suchen. Das BSI und Eye Security nennen als Marker Logins mit wp2_ oder w2s_ sowie Mail-Adressen auf @wp2shell.invalid und @wp2shell.shellcode.lol; ein Betroffener fand ein Konto mit einer Adresse auf @wordpress-svc.internal. Dann die Plugin-Liste durchsehen; mu-plugins zeigt das Backend allerdings nicht an, dafür brauchen Sie den Dateizugriff beim Hoster.

Was mache ich, wenn ich einen Befall finde?

Nicht selbst löschen. Zuerst den Zustand sichern, dann alle Passwörter ändern, Sitzungen beenden und die Salts in der wp-config.php wechseln, erst danach bereinigen. Das BSI nennt zusätzlich das Neuaufsetzen als Option. Wer nur das Konto löscht, lässt oft die Datei stehen, die es wieder anlegt.

Mein Hoster hat mir eine Warnmail geschickt. Ist meine Seite damit gehackt?

Nicht zwingend. Die Mail eines Hosters kann bewusst breit gehalten sein; IONOS schrieb dazu in den Kommentaren bei Borns IT-Blog, der Hinweis sei absichtlich weit gefasst. Ein Betroffener schrieb, die Mail nenne keinen konkreten Indikator. Prüfen Sie trotzdem die fünf Fragen im Selbsttest und ändern Sie Passwörter, die Sie in WordPress hinterlegt haben.

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