Blog · 26. Oktober 2026
Bildrechte in der WordPress-Mediathek prüfen: Inventur in sechs Schritten
Wie Sie die Mediathek Ihrer WordPress-Seite selbst durchgehen, bevor eine Abmahnung wegen Bildrechten kommt: Liste anlegen, Herkunft klären, Lizenz belegen, Unklares entfernen.
Gehen Sie unter Medien → Medienübersicht in die Listenansicht und legen Sie eine Liste an: je Bild Herkunft, Lizenz, Nachweis und Ort der Verwendung. Prüfen Sie zuerst, was Theme oder Vorlage mitgebracht hat, dann alles ohne Zuordnung („Nicht angehängt“). Unklare Bilder gleichen Sie per Rückwärtssuche ab. Was Sie nicht belegen können, ersetzen Sie. Das dauert bei einer kleinen Seite einen Nachmittag. Die rechtliche Bewertung bleibt bei einer Anwältin oder einem Anwalt.
Wer eine WordPress-Seite über Jahre betreibt, hat in der Mediathek eine Sammlung, die niemand mehr überblickt: Bilder vom Theme-Import, Fotos des früheren Webdesigners, Vorlagen von Page-Buildern, Dateien aus einem Beitrag von 2019. Eine Abmahnung wegen Bildrechten trifft selten das Foto, das Sie bewusst ausgewählt haben, sondern meist eines, das irgendwann einfach da war. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie diese Sammlung in einem Nachmittag durchgehen und am Ende eine Liste haben, die belegt, woher jedes Bild kommt.
Was eine Abmahnung kosten kann und was Sie nach einem Schreiben tun, steht in der Info Abmahnung Bilder Urheberrecht. Hier geht es um das Davor: die Inventur. Keine Rechtsberatung; ob eine Lizenz Ihre Nutzung deckt, klärt eine Anwältin oder ein Anwalt.
Warum die Mediathek der richtige Ort ist
Jede Datei, die Sie hochladen oder die ein Theme mitbringt, landet in der Mediathek. Dort sehen Sie Dateiname, Upload-Datum, Größe und, falls vorhanden, den Beitrag, dem das Bild zugeordnet ist. Die WordPress-Dokumentation führt diese Angaben für die Listenansicht auf, ebenso die Filter für Medientyp und Datum (WordPress-Dokumentation „Media Library screen“, abgerufen am 26.10.2026). Das ist nicht viel, aber genug, um eine Bestandsliste zu bauen.
Wichtig ist, was die Mediathek nicht weiß: Sie kennt weder die Lizenz noch den Urheber, es sei denn, jemand hat es in ein Feld geschrieben. Das Ergebnis dieser Inventur ist deshalb eine eigene Liste, die Sie neben WordPress führen.
Schritt 1: Die Liste anlegen
Öffnen Sie Medien → Medienübersicht und wechseln Sie in die Listenansicht (Symbol links über der Tabelle). Dort stehen Titel, Dateiname, Autor, die Zuordnung („Hochgeladen zu“) und das Datum. Unter Bildschirmoptionen oben rechts stellen Sie ein, wie viele Einträge pro Seite erscheinen, damit Sie nicht ständig blättern müssen.
Legen Sie eine Tabelle an, in einem Tabellenblatt oder auf Papier. Eine Zeile je Bild, diese Spalten:
| Spalte | Inhalt |
|---|---|
| Datei | Dateiname aus der Mediathek |
| Wo verwendet | Seite, Beitrag, Slider, Hintergrund oder „nirgends“ |
| Herkunft | eigenes Foto, Theme, Vorlage, Bildagentur, Webdesigner, unbekannt |
| Lizenz und Nachweis | Name der Lizenz, Rechnung oder Download-Bestätigung |
| Namensnennung | gefordert ja/nein, und wo sie steht |
| Anmerkung | z. B. erkennbare Personen, abgelaufene Lizenz |
Bei mehreren hundert Dateien arbeiten Sie die Liste Upload-Jahr für Jahr ab.
Schritt 2: Nach Upload-Datum gruppieren
Sortieren Sie die Liste nach Datum. Auffällig sind zwei Muster:
- Viele Dateien am selben Tag. Das ist oft der Tag, an dem das Theme eingerichtet oder ein Demo-Import eingespielt wurde. Die Bilder daraus stammen nicht von Ihnen. Ob das Theme ihre Weiternutzung auf einer Live-Seite erlaubt, steht in den Lizenzbedingungen des Herstellers, nicht in WordPress.
- Dateinamen wie „demo“, „placeholder“, „dummy“ oder Nummernfolgen ohne Sinn. Das sind Kandidaten für Platzhalter. Auch das ist kein Beweis, aber eine gute Reihenfolge für die weitere Arbeit.
Tragen Sie diese Gruppen in der Spalte „Herkunft“ ein, auch wenn Sie die Lizenz noch nicht kennen.
Schritt 3: „Nicht angehängt“ ist nicht „ungenutzt“
Im Filter über der Tabelle gibt es laut WordPress-Dokumentation die Auswahl „Unattached“, im deutschen Backend „Nicht angehängt“: Medien, die keinem Beitrag und keiner Seite zugeordnet sind (WordPress-Dokumentation „Media Library screen“, abgerufen am 26.10.2026). Das ist ein guter Startpunkt für Aufräumarbeit, aber mit einer Einschränkung, die in der Praxis wichtig ist:
Die Zuordnung hängt davon ab, wo ein Bild zuerst hochgeladen wurde. Ein Bild, das Sie in der Mediathek hochladen und dann in einen Slider, ein Kopfzeilen-Element oder ein Page-Builder-Layout einsetzen, erscheint häufig als „nicht angehängt“ und wird trotzdem auf der Seite angezeigt. Umgekehrt steht ein Bild noch als „hochgeladen zu“ einem Beitrag, den Sie längst gelöscht oder umgebaut haben. Das ist unsere Einschätzung aus der Arbeit mit Page-Buildern, keine Aussage der Dokumentation: Verlassen Sie sich nicht auf die Spalte, sondern prüfen Sie jedes Bild, bevor Sie es löschen.
So gehen Sie vor:
- Filtern Sie auf „Nicht angehängt“ und tragen Sie diese Bilder in Ihre Liste ein.
- Suchen Sie den Dateinamen im Quelltext der Seite (Browser, Taste F12, Suche mit Strg+F) oder öffnen Sie die Seiten, auf denen ein Bild vermutet wird, und sehen Sie nach.
- Taucht das Bild nirgends auf, tragen Sie „nirgends“ ein. Es ist ein Kandidat zum Löschen, aber nur, wenn Sie es nicht mehr brauchen oder die Herkunft nicht klären können.
Schritt 4: Herkunft klären, Bild für Bild
Jetzt kommt der Teil, der Zeit kostet. Je Bild gibt es vier Wege:
- Sie haben es selbst gemacht. Eintrag „eigenes Foto“ mit Datum; wenn vorhanden, die Originaldatei ablegen.
- Sie haben es gekauft oder heruntergeladen. Suchen Sie im Postfach nach der Rechnung oder Download-Bestätigung und legen Sie sie ab. Lesen Sie die Lizenz noch einmal: Gilt sie für Web? Ist die Zahl der Nutzungen begrenzt? Ist eine Namensnennung gefordert? Das Abo einer Bildagentur verlangt oft, dass Bilder nach Ablauf wieder verschwinden; das steht in deren Bedingungen.
- Es kam mit Theme oder Vorlage. Prüfen Sie die Lizenz des Herstellers. Viele Hersteller beschreiben Demo-Bilder als reine Platzhalter; verlassen Sie sich aber nicht auf Vermutungen, sondern auf den Wortlaut.
- Der Webdesigner oder jemand anderes hat es eingebaut. Bitten Sie um die Lizenznachweise. Mit der bloßen Zusicherung eines Dritten kann man sich laut WBS.legal nicht ohne Weiteres entlasten (abgerufen am 17.10.2026).
Wenn Sie nach 15 Minuten bei einem Bild nicht weiterkommen, gehen Sie zu Schritt 5 und suchen Sie nicht weiter im Postfach.
Schritt 5: Unklare Bilder per Rückwärtssuche abgleichen
Für alle Bilder ohne Nachweis hilft die Rückwärtssuche: das Bild bei Google Bilder (Kamera-Symbol) oder bei TinEye hochladen. Das Ergebnis zeigt, wo das Bild sonst im Netz auftaucht.
- Taucht es bei einer Bildagentur auf, gehört es dort vermutlich zu einem lizenzpflichtigen Angebot. Ohne Lizenznachweis nehmen Sie es von der Seite.
- Taucht es nur bei fremden Websites auf, ist unklar, wer die Rechte hat. Auch dann gilt: ohne Nachweis ersetzen.
- Findet die Suche nichts, ist das keine Entwarnung. Die Suche kennt nicht alle Bilder, und ein Nichtfund belegt keine Erlaubnis.
Die Rückwärtssuche zeigt, wo ein Bild noch liegt, nie, dass Sie es nutzen dürfen. Die Erlaubnis kommt aus der Lizenz.
Schritt 6: Entscheiden, dokumentieren, löschen
Jetzt steht in jeder Zeile eine Herkunft, oder eine Lücke. Für jede Zeile gibt es genau drei Ausgänge:
- Belegt: Nachweis liegt vor, Namensnennung erfüllt. Das Bild bleibt, die Zeile ist fertig. Tragen Sie Quelle, Lizenz und Datum zusätzlich ins Beschreibungsfeld des Bildes ein (Medien → Bild anklicken), damit die Angabe beim Bild bleibt.
- Nicht belegt, aber verwendet: Ersetzen Sie das Bild durch ein eigenes oder ein Bild mit klarer Lizenz, tauschen Sie es auf der Seite aus und löschen Sie das alte.
- Nicht belegt und nicht verwendet: Löschen Sie es. Die Dokumentation von WordPress nennt dafür „Delete permanently“, einzeln oder als Sammelaktion in der Liste (abgerufen am 26.10.2026).
Legen Sie vor dem Löschen eine Sicherung an, siehe WordPress-Backup, und laden Sie danach die wichtigsten Seiten neu, um Lücken zu finden.
Selber machen oder abgeben?
Selbst: die Inventur. Sie kennen Ihre Rechnungen, Ihre Fotografen und Ihre Absprachen. Mit Liste, Mediathek und Rückwärtssuche brauchen Sie dafür keine Technik.
Abgeben: wenn die Mediathek aus hunderten Dateien besteht, wenn Bilder in Page-Builder-Layouts und Plugins stecken, die Sie nicht überblicken, oder wenn Sie Hilfe beim Austauschen und Löschen brauchen. Das Abmahnsicher-Komplettpaket prüft die technische Seite Ihrer Website. Bildlizenzen prüft es nicht; das ist eine rechtliche Frage für eine Anwältin oder einen Anwalt. Den Gesamtüberblick über Ihre Seite gibt der kostenlose Website-Check.
Was nach der Inventur dauerhaft hilft
Die Liste ist nur etwas wert, wenn sie lebt: Jedes neue Bild bekommt beim Hochladen sofort eine Zeile, nach einem Theme-Wechsel (siehe Checkliste zum Theme-Wechsel) kommen die Demo-Bilder des neuen Themes dazu, und einmal im Jahr zeigt ein Blick in die Spalte „Lizenz“, was abgelaufen ist.
Bilder sind nur ein Punkt unter vielen. Die übrigen Prüfungen finden Sie im Beitrag Website prüfen: 19 Punkte und in der Abmahn-Checkliste mit 20 Punkten.
Quellen
- WordPress-Dokumentation „Media Library screen“, Filter „Unattached“, Spalte „Uploaded to“, Felder und „Delete permanently“, zuletzt aktualisiert 22.10.2026, abgerufen am 26.10.2026 (wordpress.org).
- WBS.legal, „Bildnutzung: Abmahnung erhalten – was tun?“, abgerufen am 17.10.2026 (wbs.legal). Die Auswertung steht in der Info Abmahnung Bilder Urheberrecht.
Häufige Fragen
Reicht es, ein Bild aus der Mediathek zu löschen, wenn es im Beitrag nicht mehr vorkommt?
Nein, das Bild muss aus der Mediathek selbst. Die Dokumentation von WordPress beschreibt dafür „Delete permanently“, einzeln oder als Sammelaktion (WordPress-Dokumentation „Media Library screen“, abgerufen am 26.10.2026). Solange die Datei liegt, ist sie über ihre Datei-Adresse erreichbar. Danach ist ein Blick in den Papierkorb, in Sicherungen und in einen eventuellen Cache sinnvoll, denn Kopien bleiben dort womöglich bestehen.
Was trage ich in die Felder Titel, Beschriftung und Beschreibung ein?
Die Mediathek kennt laut WordPress-Dokumentation Alternativtext, Titel, Beschriftung und Beschreibung (abgerufen am 26.10.2026). Der Alternativtext beschreibt das Bild für Screenreader und ist kein Platz für Lizenzangaben. Für Ihre Inventur eignet sich das Beschreibungsfeld: Quelle, Lizenz und Datum des Nachweises dahinter. Ob das Theme die Beschriftung zeigt, sehen Sie nur auf der fertigen Seite.
Was tue ich, wenn ich die Herkunft eines Bildes nicht mehr herausfinde?
Dann behandeln Sie es wie ein Bild ohne Lizenz und ersetzen es. Ein Bild, das Sie nicht belegen können, bleibt ein Risiko, auch wenn sich bisher niemand gemeldet hat. Ersatz sind eigene Fotos oder Bilder aus einer Quelle, deren Lizenz Sie lesen und ablegen können.
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